Landeskoordination Thüringen

Abwertung von Asylbewerbern

Mit „Abwertung von Asylbewerbern“ ist eine vorurteilsbehaftete und feindselige Einstellung gegenüber asylsuchenden Menschen gemeint. Asylbewerber kommen meist aus Ländern mit einer politischen und sozialen instabilen und unsicheren Situation. Aus diesem Grund suchen diese Menschen Asyl, d. h. einen sicheren Lebensort in politisch stabilen Staaten, wie Deutschland. Die Vorurteile gegenüber Asylbewerbern haben ihren Ursprung meist in fremdenfeindlichen und rassistischen Haltungen, können aber auch aus dem Unverständnis für die schwierige Situation von Asylbewerbern und den Leistungen, die sie vom Staat erhalten, entstehen.

Abwertung von Behinderten

Die Abwertung von Behinderten ist eine Diskriminierungsform, die sich gegen Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung richtet. Diese Beeinträchtigungen werden oftmals als Abweichung von der „Normalität“ empfunden, weshalb es immer wieder zu Ausgrenzungen und Beleidigungen kommt. Unter der Abwertung von Behinderten versteht man jedoch nicht allein direkte feindselige Handlungen, sondern auch die Vorstellung, dass die Forderungen von beeinträchtigten Menschen und die Unterstützung für beeinträchtigte Menschen überzogen seien.

Abwertung von Langzeitarbeitslosen

Abwertung von Arbeitslosen bedeutet, Menschen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung zu diskriminieren. Wie andere Diskriminierungsideologien beruht auch die Herabsetzung von Arbeitslosen auf Vorurteilen. Diese Vorurteile hängen jedoch nicht mit angeborenen oder physischen Eigenschaften zusammen, sondern beziehen sich auf die Arbeitslosigkeit und damit auf die soziale und wirtschaftliche Situation der betroffenen Personen. Ihnen wird vorgeworfen, nichts zur Gesellschaft beizutragen und lediglich auf Kosten anderer zu leben.

Abwertung von Obdachlosen

Die Ursachen für die Abwertung von Obdachlosen liegen in den Normalitätsvorstellungen eines gewissen Lebensstils, der einen geregelten Tagesablauf und eine feste Unterkunft beinhaltet. Diesem Ideal entsprechen Obdachlose nicht und werden deshalb ignoriert oder mit Ablehnung und Verachtung gestraft. Zudem wird Obdachlosen oftmals Unverständnis für ihre Situation entgegengebracht und die Ursache für diese Lage in eigenem Verschulden der Betroffenen gesucht.

Antisemitismus

Der Antisemitismus ist eine feindselige Denkart, die sich gegen Juden und das Judentum richtet. Juden werden dabei vor allem aufgrund ihrer Abstammung und ihrer Religion diskriminiert. Ungeachtet der Tatsache, dass Juden eigentlich Anhänger des jüdischen Glaubens sind, wird der Begriff oftmals auch als ethnische oder „rassische“ Bezeichnung verwendet.
Den Begriff Antisemitismus gibt es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Judenhass und die Verfolgung von Juden hat in Europa jedoch eine viel längere Geschichte. Die Ideologie des Nationalsozialismus ist eng mit antisemitischem und rassistischem Gedankengut verbunden. In Deutschland kam es in der Zeit des Nationalsozialismus zur Verfolgung und zum Massenmord an Juden.

Antiziganismus

Der Antiziganismus ist eine Abwehrhaltung, die sich gegen Mitglieder der ethnischen Minderheiten der Sinti und Roma richtet. Sinti und Roma wurden aufgrund von vielen Vorurteilen verleumdet, verfolgt und ermordet. Umgangssprachlich werden Sinti und Roma noch als „Zigeuner“ bezeichnet. Dieser Begriff hängt aber eng mit den Vorurteilen und Anfeindungen, die den Sinti und Roma entgegen gebracht wurden, zusammen und wird deshalb heute vermieden. Ebenso wie der Antisemitismus hat auch der Antiziganismus in Europa eine lange Geschichte. So waren auch Sinti und Roma Opfer des Völkermords während des Nationalsozialismus.

Etabliertenvorrechte

Der Begriff Etabliertenvorrechte beschreibt eine geistige Einstellung, der zufolge angestammte und bereits integrierte Personen einen höheren gesellschaftlichen Status als neu hinzugekommene Personen besitzen. Die Etabliertenvorrechte richten sich also gegen all jene Menschen, die von der „Norm“ der Etablierten abweichen. Aus diesem Grund kann man die Etabliertenvorrechte auch als Basis aller Diskriminierungsformen ansehen.

Fremdenfeindlichkeit

Fremdenfeindlichkeit ist eine geistige Haltung, die sich gegen alle als fremd empfundenen Lebenseinflüsse und Personen richtet. Dabei werden diese scheinbar fremdartigen Menschen und Lebensumstände aufgrund ihrer Andersartigkeit als bedrohlich empfunden. Als fremd gelten Menschen dann, wenn sie sich aufgrund ihrer Herkunft, Religion und/oder Hautfarbe von ihrer Umwelt unterschieden. Fremdenfeindliches Verhalten kann verschiedene Formen, wie Ausgrenzung, Vertreibung, Gewalt und sogar Vernichtung, annehmen.

Homophobie

Das Wort Homophobie hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache und setzt sich aus den Worten homo (gleich) und phobos (Angst) zusammen und beschreibt eine ablehnende und feindselige Haltung gegenüber homosexuellen Menschen. Die Homophobie resultiert aus irrationalen Vorstellungen und Ängsten gegenüber Homosexuellen und ihrer Lebensweise. Eine Aversion gegenüber homosexuellen Menschen kann verschiedene Ausprägungen annehmen. Die Spanne reicht von der Entstehung und Äußerung von Vorurteilen bis hin zu antihomosexuellen Gewalttaten.

Islamfeindlichkeit

Die Islamfeindlichkeit richtet sich gegen Muslime, also Anhänger des islamischen Glaubens. Islamfeindliche Handlungen können unterschiedliche Ausprägungen, z. B. Verleumdung oder sogar körperliche Gewalt, annehmen. Die Diskriminierung der Muslime geschieht dabei nicht allein aus religiösen, sondern auch aus politischen Gründen. Islamfeindlichkeit kann aber ebenso eine Form von Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus darstellen.
Eine weitere antiislamistische Haltung, die Islamophobie, beschreibt die Angst vor dem islamischen Glauben und seinen Lehrsätzen. Beide Begriffe hängen eng miteinander zusammen.

Rassismus

Der Rassismus ist ein Konzept, welches auf der Annahme beruht, dass es verschiedene biologische „Rassen“ gibt, die sich durch äußerliche Merkmale unterschieden. Diese Annahme hat in der Vergangenheit immer wieder zu der Überhöhung der einen, meist der eigenen „Rasse“ und zu der Herabsetzung anderer „Rassen“ geführt. Nahezu allen Formen des Rassismus ist jedoch gemein, dass biologische Unterschiede zwischen den „Rassen“ und die Homogenität einzelner „Rassen“ überschätzt werden. Gleichzeitig wird der Einfluss der (politischen, sozialen, ökonomischen) Umwelt (z. B. durch Eltern, Schule, Freundeskreis etc.) auf die Entwicklung des Menschen unterschätzt.

Sexismus

Der Sexismus ist eine Form der Diskriminierung, bei der Menschen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt, unterdrückt und beleidigt werden. Sexistische Ansichten beruhen auf klar getrennten und definierten Geschlechterrollen und einer festgelegten Hierarchie der Geschlechter, bei der der Mann oft eine hierarchisch übergeordnete Rolle und die Frau eine untergeordnete Rolle einnimmt (Patriarchat). Dabei kann es zur Unterdrückung, Benachteiligung, Beleidigung und zu Übergriffen gegenüber der untergeordneten Geschlechtergruppe kommen. Auch Männer können von Sexismus betroffen sein, wenn auf sie beispielsweise vorurteilbehaftete Geschlechterrollen projiziert werden.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

In diesem Zusammenhang sprechen wir nicht nur von der Ideologie der Ungleichwertigkeit, sondern auch von der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Es wird nicht der einzelne Mensch mit seinen Stärken und Schwächen gesehen, sondern er wird anhand seiner angeblichen oder tatsächlichen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bewertet. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bedeutet, Menschen werden in Gruppen eingeteilt und bestimmte Gruppen werden abgewertet mit Zuschreibungen und Vorurteilen, wie „die sind faul, unehrlich, dreckig, die klauen“. Verallgemeinerungen, negative Zuschreibungen und Vorurteile führen zur Abwertung der einen und Aufwertung der eignen Gruppe.
So wird beispielsweise den Migrant*innen unterstellt, sie nehmen der deutschen Bevölkerung die Arbeit weg und die Langzeitarbeitslosen hätten keine Lust zu arbeiten.
Die auf diese Weise beurteilten Personengruppen besitzen nicht nur angeblich negative Merkmale, sie gehören nicht dazu und sind auch noch weniger wert als andere.

Dies widerspricht allerdings so ganz der Idee der Demokratie, in der alle Menschen gleichwertig sind und ihnen das gleiche Recht auf Teilhabe zur Verfügung stehen sollte, egal welcher Herkunft oder welchen Geschlechts sie sind, welche sexuelle Orientierung sie haben, woran sie glauben etc.

Erscheinungsformen der Diskriminierung

  • soziale / wirtschaftliche / politische Benachteiligung
  • Beleidigung / Verleumdung
  • Mobbing
  • Ausgrenzung
  • Ungerechtigkeit / unfaire Behandlung
  • Physische Gewalt
  • Einschüchterung

Was kannst Du dagegen tun?

  • Du kannst dich über die verschiedenen Diskriminierungsformen informieren, siehe Literaturhinweise.

  • Respektiere andere Menschen, auch wenn sie anders sind als du. Behandle sie fair und mit Respekt!

  • Du kannst im Gespräch mit anderen Menschen eure Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufspüren.

  • Schau nicht weg, wenn andere menschenverachtend behandelt werden.

  • Du kannst dir Mitstreiter*innen in deiner Schule suchen. Gemeinsam macht ihr euch auf den Weg zu einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Hier findest du weitere Informationen dazu:

  • Du kannst zusammen mit deinen Freunden/Klassenkameraden und deinen Lehrer*innen Projekte zu diesen Themen in Deiner Schule organisieren. Hilfe und Unterstützung bekommst du von uns, der Landeskoordination Thüringen.